Warum verdienen Dividendenjäger langfristig nicht die höchsten Dividendeneinnahmen?

Warum verdienen diejenigen, welchen die Dividende egal ist, die meiste Dividende?



Es gibt Dividendenbriefe, es gibt Dividendenaristokraten, aber warum verdienen die Investoren, die nicht auf die Dividende schauen, schlussendlich am meisten Dividende?



Investmentfrage zum Start:



Für welches Investment würden Sie sich entscheiden?

Deutsche Telekom aktuelle Dividendenrendite von 4,7% (steuerfrei)

Rational AG mit 1,59%

SIXT Vz. mit 3,27%


Und jetzt konkret: Für welches Unternehmen würden Sie sich anhand der Dividendenrendite entscheiden? Deutsche Telekom? Solides Unternehmen mit hoher Rendite und die Dividende ist auch noch steuerfrei. Das ist natürlich eine akzeptable Begründung aber nicht die Beste! 


Zusammenfassung / Lessons Learned des Beitrags

  • Die vier Möglichkeiten zur Kapitalverwendung sind Investitionen in die Zukunft des Geschäfts, Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufe und Übernahmen
  • Bei Wachstumsunternehmen wie Rational und SIXT kann man nach 15 Jahren eine Rendite von 19% und 36% auf den Einstiegskurs verdienen, die deutsche Telekom bietet nur 5 %
  • Ein Unternehmen mit guten Wachstum und stabiler Bilanz kann die Dividende nachhaltig steigern und bringt über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren hervorragende Dividendeneinnahmen
  • Dividendenjäger verdienen weniger Dividende als Investoren, die in gute Unternehmen mit Wachstumsperspektiven investieren


Vorab: Die Dividendenrenditen sind Brutto. Es wurden keine Steuern berücksichtigt!

Die Rational AG wirft aktuell nur 1,6% Rendite ab, aber ist ein sehr starkes Unternehmen in einem Bereich mit Wachstum. Die hohe Qualität der Produkte für professionelle Küchen und der wachsende Markt hat das Unternehmen auf die Erfolgsspur gebracht. In den letzten 15 Jahren stieg die Dividende um über 400%. Dieser Anstieg war durch eine sehr gute operative Entwicklung und eine starke Bilanz gerechtfertigt.

Dividendenentwicklung der Rational AG je Aktie (Dividende je Aktie in EUR)

Angenommen Sie haben zu 50€ im Jahr 2004 Anteile von diesem Unternehmen gekauft, dann erhalten Sie knapp 19 % auf den Einstiegskurs.
Insgesamt hat das Unternehmen in den letzten 15 Jahren 93,6 € Dividende je Aktie gezahlt, also bekommt man den Einstiegskurs fast zweimal zurück.


OK, sehr gut..nun aufgepasst Dividendenjäger! Ein Investment in Unternehmen mit hoher Dividendenrendite sollte sich ja mehr auszahlen.





Seit 2005 hat die deutsche Telekom die Dividende nur um 13% gesteigert. Damals lag der Kurs bei 14 € und die Rendite betrug 4,4%,  Jetzt bekommt man 5% auf den Einstiegskurs. Es hat sich außer das Prädikat “steuerfrei“ fast nichts verändert.
Während des langen Zeitraums wurden knapp 10 € an Dividende je Aktie ausgeschüttet. Damit hat man etwas mehr als 70 % des Kaufpreises wieder bekommen. Ihr Geld hätte höhere Einnahmen erzielt, wenn Sie sich für ein Wachstumsunternehmen wie Rational AG mit aktuell geringer Rendite entschieden hätten.



Ein Unternehmen mit gesunder Bilanz und starken Visionen ist SIXT. Das Familienunternehmen hat seine Dividende je Aktie um knapp 330% über die letzten 15 Jahre gesteigert. Hätte man SIXT den vollständigen Weg mit Geduld begleitet, dann wäre man üppig belohnt worden. Damals handelte man das Familienunternehmen zu rund 6€ im Kurs. Das heißt, nach der letzten Dividendeanhebung bekam der geduldige Investor 36% Dividendenrendite auf den Einstiegskurs ohne Sonderzahlung. Eine sehr schöne jährliche Rendite. Über den gesamten Zeitraum hat das Unternehmen Dividenden in Höhe von 19,78 € ausgeschüttet. Im Verhältnis zum Einstiegskurs von 6 € wurde das Kapital durch eine langfristige Dividendensteigerung und ein paar Sonderdividenden mehr als verdreifacht.

Was zeigen diese Dividendenbeispiele?




Die aktuelle Dividendenrendite ist nebensächlich. Es kommt auf die möglichen Steigerungen der Dividende an. Ein Unternehmen mit guten Wachstum im operativen Geschäft und stabiler Bilanz kann die Dividende nachhaltig steigern und bringt über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren hervorragende Dividendeneinnahmen. Hingegen bringen Unternehmen, die kein Wachstum erzeugen und einen Großteil der Cashflows ausschütten, über einen vernünftigen Zeitraum keine guten
Dividendeneinnahmen. Warren Buffett hat das Prinzip  in den heiligen Gral des Investierens integriert. Das heißt: Bevorzugen Sie immer operatives Wachstum und eine gesunde Bilanz anstatt aktuell hohe Dividendenrenditen.

Ihr Geldbeutel wird es Ihnen langfristig danken. Warum?




Musterbeispiel Dividendensteigerungen am Beispiel der Rational AG


Rational AG ist durch die wachsende Bevölkerung und den Bedarf nach professionellen Küchengeräten weiterhin in einem Wachstumsmarkt tätig. Deshalb kann man davon ausgehen, dass das Unternehmen die Dividende regelmäßig steigern wird. Für das Musterbeispiel haben wir 10 % p.a. angenommen. Dadurch steigt die aktuell geringe Dividendenrendite von 1,69% auf ansehnliche 3,1 % im Jahr 2026 und im Jahr 2038 können Sie -in der Musterrechnung- knapp 9,72 % auf den Einstieg bekommen. Dennoch sollte man beachten, dass Sie nur ausgezeichnete Ergebnisse erzielen, wenn Sie geduldig warten bis ein hervorragendes Unternehmen wie Rational AG kurzzeitig in Schwierigkeiten kommt und zu einem attraktiven Preis gehandelt wird.






Welche Möglichkeiten hat das Management zur Kapitalverwendung?



Vier Möglichkeiten hat das Management zur Verwendung des vorhandenen und erarbeiteten Kapitals:

- Investitionen in die Zukunft für organisches Wachstum und eine Steigerung des Gewinns (neue Produkte und Märkte, bessere Produktionsabläufe)
- Dividendenausschüttungen
- Aktienrückkäufe
- Übernahmen

Jedes gute Management stellt sich die Frage, wie es mit dem vorhandenen Kapital und den Cashflows den größten Mehrwert erzeugt.

Die erste Wahl, wenn das Management der Ansicht ist, dass das Unternehmen gute Perspektiven hat und langfristig profitabel wachsen kann, ist die Investition ins eigene Geschäft. 
Nur wenn das Potenzial des Unternehmens nicht so hoch ist und man in seinem Geschäft kein zufriedenstellendes Renditeprofil vorfindet, kann man über Maßnahme 2 “Dividende zahlen“ oder Maßnahme 3 “Aktien zurückkaufen“ nachdenken. Auch hier sollte man immer im Blick haben, wo man am meisten Wert für die Teileigentümer schafft. Ist der Kurs der Aktie im Verhältnis zum erwarteten Gewinn oder Free Cashflow hoch, dann sollte man die Dividenden bevorzugen. Ist das Verhältnis gering oder der Preis handelt unter dem Inneren Wert, dann gelingt es, mit Aktienrückkäufen Mehrwert zu schaffen.


Übernahmen sollte man mit gesunder Bilanz und bei attraktiven Preisen der Übernahmekandidaten tätigen, um das eigene Geschäft zu ergänzen oder gutes Zukunftspotenzial dazu zu kaufen. Richtig gute CEOs findet man anhand der Checkliste.



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