Graham hat aus dem Crash gelernt und das Verlustrisiko reduziert

Grahams Angst vor dem Verlust wirkte sich auf sein Leben und die Methoden des Value Investings aus.




“Ben Graham musste als Investor viel lernen. Alle seine Ideen, wie man Unternehmen bewertet, wurden davon geprägt, dass der Große Crash und die Depression ihn fast vernichtet hatten. [...] Die Angst wirkte bei ihm ein Leben lang nach und alle seine Methoden waren darauf ausgerichtet, sie in Schach zu halten.“  so Charlie Munger.

Quelle: Clark(2018): Das Tao des Charlie Munger, S.28.


Die Angst vor dem Kapitalverlust prägte die Methoden des Value Investings
Der unerwartete Crash im Zeitraum von 1929 bis 1932 kann jederzeit so oder so ähnlich geschehen. Dabei verlor der Dow Jones knapp 90 Prozent. Die Erfahrungen prägen und der Vater des Value Investings hat auf Grundlage dieser Erfahrung gute Methoden zur Reduzierung des Verlustrisikos entwickelt. Damit hat er den Grundstein dafür gelegt, dass seine Nachfolger, insbesondere Warren Buffett -dank einer Fehleranalyse , so erfolgreich wurden.

Wertvolle Methode zur Bewertung von Wachstumsunternehmen


Wir halten insbesondere Grahams Bewertungsmethode für Wachstumsunternehmen in dieser Zeit für wertvoll und wenden diese regelmäßig an. Ein Beispiel: Amazon hat starke Zahlen für das erste Quartal 2018 präsentiert:



Umsatz +  43 % , währungsbereinigt + 39%, 
bereinigt um die Übernahme von WholeFoods +24%

Gewinn je Aktie +120%

Die Zahlen reichen nicht ganz, um die Bewertung zu rechtfertigen. Das KGV liegt bei knapp 250. Die Erwartungen sind enorm. Bei gleichbleibenden Gewinnen dauert es 250 Jahre bis Amazon das Investment zurück verdienen kann. Also hätte man zum Zeitpunkt der
Vertragsunterzeichnung von Versailles (1768) in Amazon investiert und die Gewinne wären gleich geblieben, dann hätten Sie heute gerade erst ihren Kapitaleinsatz verdient.

Laut Grahams Wachstumsformel wird ein Gewinnwachstum von mehr als 120 Prozent  (Berechnung: (250-8,5)/2) über 7 bis 10 Jahre erwartet. 
Das wird selbst Amazon - trotz aktuell boomenden Cloud- und E-Commerce-Geschäft- nicht bewerkstelligen können und die langfristigen Investoren werden einen Verlust erleiden. Diesen Kapitalverlust wollte Benjamin Graham vermeiden, deshalb konzentrierte er sich auf den Buchwert.

Fokus auf den Buchwert


Der heutige Buchwert besteht aus Annahmen über den Wert der Vermögenswerte. Diese Schätzungen nehmen das Unternehmen und die Wirtschaftsprüfung vor. In einer Krise werden diese Schätzungen wie bei den Goldminen vor 2-3 Jahren nach unten korrigiert und es gibt schwerwiegende Abschreibungen. Das sagt uns, dass der heutige Buchwert keine verlässliche Bewertungsgröße ist. Zu Grahams Zeit war der Buchwert stabil und deshalb ein wichtige Anker für ihn. Er kaufte deutlich unter dem Buchwert oder am liebsten unter dem liquidierbaren Nettovermögen  und verkaufte zum Buchwert, also zum Inneren Wert.
Beispielsweise hätte er Berkshire Hathaway im Jahr 1974 zur Hälfte des Buchwertes gekauft und spätestens im Jahr 1980 zum Buchwert verkauft. Benjamin Graham hätte leider nicht von dem kräftigen Anstieg danach profitieren können.

Langfristiges Investieren steigert die Renditen, dank kostenlosem Staatsdarlehen und geringen Maklergebühren.


Durch eine geringe Haltezeit verpasste Benjamin Graham hohe Renditen. Denn er verkaufte die Unternehmen innerhalb von zwei Jahren, wenn die Aktien fielen oder bei einer Rendite von über 50 %. Deshalb verpasste er einige Zinseszins- Maschinen und zahlte viele Steuern. Durch langfristiges Investieren schiebt man die Kapitalertragssteuer vor sich hin und das Kapital arbeitet ohne Steuerabzüge und ohne zusätzliche Maklergebühren.


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