Familienunternehmen Villeroy & Boch: Übernahme von Ideal Standard oder Sonderdividende für Aktionäre?

Investoren von Villeroy & Boch machen Druck auf die Auszahlung einer Sonderdividende. Die Geschäftsleitung prüft die Übernahme von Ideal Standard.



Im Familienunternehmen Villeroy & Boch gibt es momentan, aufgrund eines Verkaufes einer Gewerbeimmobilie im Wert von ca. 80 Mio. € in Luxemburg und den daraus resultierend Möglichkeiten, großes Konfliktpotenzial zwischen der Geschäftsleitung und den Inhabern von
Vorzugsaktien. Die Geschäftsleitung prüft momentan die Übernahme des luxemburgischen Konkurrenten Ideal Standard. Die Investoren wiederum bevorzugen eine Stärkung der Bilanz und eine Ausschüttung einer Sonderdividende in Höhe von 1,50 € je Aktie.



Zusammenfassung / Lessons Learned des Beitrags

  • Die Geschäftsleitung von Villeroy & Boch prüft eine Übernahmen von Ideal Standard
  • Die Inhaber von Vorzugsaktien wollen stattdessen eine Stärkung der Bilanz und eine Ausschüttung einer Sonderdividende
  • Die Ziele für 2019 konnten von Villeroy & Boch nicht erreicht werden. Der Umsatz fiel um 2 Prozent.
  • Villeroy & Boch müsste nach Grahams Wachstumsformel jährlich um ca. 1,8 % wachsen, um seinen momentanen Aktienkurs zu rechtfertigen 


Übernahme von Ideal Standard


Die Geschichte des Keramikherstellers Ideal Standard war in den letzten 10 Jahren sehr stark durch Finanzinvestoren geprägt. 2007 wurde das Unternehmen für 1,75 Mrd. € durch Bain Capital gekauft. Seit März 2018 ist ein Konsortium um den Finanzinvestor CVC Credit Partners der neue Inhaber des Unternehmens. Der Umsatz i. H. v. 729 Mio € liegt auf dem gleichen Niveau wie vor 10 Jahren. Jedoch konnte aus dem Umsatz in den letzen 10 Jahren meist kein Gewinn erzielt werden. Die Rohertragsmarge liegt mit 32,2 % ganze zehn Prozentpunkte unter der Rohertragsmarge von Villeroy & Boch. 

Zudem hat Ideal Standard mit weiteren bilanziellen Risiken zu kämpfen. In den Jahren 2016 bis 2018 wurden 30 Mio. € für Restrukturierung ausgegeben. Diese enorme Investition wirkte sich bisher nicht entscheidend aus. Bei den Pensionsrückstellungen wiederum gibt es ein Defizit von 92,5 Mio. €.

Stärkung der Bilanz und Ausschüttung einer Sonderdividende


Das Familienunternehmen Villeroy & Boch muss momentan auch auf seine eigene Lage im Marktumfeld achten. Große Konkurrenten wie Geberit aus der Schweiz und Masco aus den USA wachsen schneller und sind dreimal so profitabel wie Villeroy & Boch. Villeroy & Boch konnte auch in den letzten guten Jahren nur dünne Margen und Renditen aufs eingesetzte Kapital verdienen.

Zudem gab es kurz vor dem Jahresende 2019 Personaländerungen auf einflussreichen Positionen im Unternehmen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Yves Elsen und die Vorsitzende des Prüfungsausschusses Annette Köhler legten ihr Amt nieder. Dies könnte durchaus eine Folge der Diskussionen zwischen den Inhaberfamilien über die weitere Vorgehensweise sein. Neuer Aufsichtsratschef wird Alexander von Boch-Galhau. 

Aus diesen Gründen wollen Inhaber der Vorzugsaktien, wie die Lakestreet Capital Partners AG, keine Übernahme des angeschlagenen Unternehmens Ideal Standard. 
"Ein Blick in die Bilanz der Ideal Standard genügt: Eine Übernahme würde nicht zu einem starken, sondern zu einem stark geschwächten Konzern führen.“ Christian Kappelhoff-Wulff, Vertreter der Lakestreet Capital Partners AG 

 Ein Vorschlag des Investors aus Zug sieht folgendermaßen aus:

  • 30 Mio. € zur Rückzahlung von Schulden 
  • 10 Mio. € für Pensionsrückstellungen
  • 1,50 € Sonderdividende je Aktie

Die Entscheidung liegt in der Hand der Familiengesellschafter, da die Vorzugsaktionäre gerne Vorschläge äußern können, jedoch kein Stimmrecht bei der Hauptversammlung besitzen. 

Eine Entscheidung soll am 06.02.2020 im Rahmen der Bilanzpressekonferenz kommuniziert werden und kann einen großen Einfluss auf den Aktienkurs des Familienunternehmens haben.

Unternehmenskennzahlen 3. Quartal 2019


In den ersten 3 Quartalen erwirtschaftet Villeroy und Boch einen Umsatz in Höhe von 587,9 Mio. € und erzielte daraus ein operatives Ergebnis in Höhe von 22,3 Mio. €. Damit liegt das Familienunternehmen in der Umsatzentwicklung 28 Mio. € (4,5 %) unter dem Vorjahr. Der EBIT konnte mit 22,3 Mio. € ebenso nicht mit dem Vorjahr mithalten. Insgesamt ging der EBIT bis zum 30.09.19 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Mio. € zurück, die entspricht einer prozentualen Einbuße von ca. 13,5 Prozent.

Nach den momentanen Prognosen lief das 4. Quartal besser und konnte mit 245 Mio. € Umsatz das Vorjahresquartal um 3,4 % toppen. Insgesamt erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz in Höhe von 833 Mio. € und liegt damit 2 Prozent unter dem Vorjahr (853 Mio. €). Das Ergebnisziel  (48 Mio. € bis 52 Mio. €) konnte aufgrund des Immobilienverkaufs erreicht werden.

Investmentpotenzial


Die Vorzugsaktie von Villeroy & Boch wird momentan bei einem Aktienkurs von 15,55 € gehandelt. Das Ergebnis je Vorzugsaktie belief sich zum 31.12.2018 auf 1,3 € je Aktie. Dies entspricht einem KGV von 12.
Nach der Bewertungsformel von Wachstumsunternehmen nach Benjamin Graham muss Villeroy & Boch im Jahr um 1,8 % wachsen, um seine momentane Bewertung zu rechtfertigen.

Dies ist im Jahr 2019 durch den reinen Geschäftsbetrieb nicht gelungen.

Quellen: 
https://www.villeroyboch-group.com/fileadmin/user_upload/images/Investor_Relations/Publikationen/Geschaeftsberichte/VuB-Geschaeftsbericht-2018_s.pdf (Stand: 02.02.20)
https://www.dgap.de/dgap/News/corporate/villeroy-boch-villeroy-boch-holt-bei-umsatz-und-operativem-ergebnis-auf/?newsID=1209739(Stand: 02.02.20)
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/keramikhersteller-villeroy-und-boch-hat-20-millionen-euro-weniger-umsatz-gemacht/25394306.html?ticket=ST-632238-0j3viigYtLNBbCDa7e5I-ap2(Stand: 02.02.20)
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/keramikhersteller-bei-villeroy-und-boch-tobt-ein-streit-um-die-sonderdividende/25485048.html(Stand: 02.02.20)

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