Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - einfache, transparente, aber manchmal auch verzerrende Bewertungskennziffer

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis?


Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (auch KGV genannt) findet man bei jeder fundamental orientierten Unternehmensvorstellung in Zeitungen sowie Vorträgen oder im Gespräch mit Value Investoren wieder. Also sollten wir einmal klären, was hinter der Bewertungsmetrik Kurs-Gewinn-Verhältnis steht, welche Vor- und Nachteile das KGV hat und welche Varianten es noch gibt!
Kurs Gewinn Verhältnis ist eine Bewertungskennziffer

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnet man indem man den gegenwärtigen Kurs der Aktie durch den Gewinn je Aktie des letzten Geschäftsjahres oder der letzten zwölf Monate teilt. Als Beispiel nehmen wir das Familienunternehmen SIXT und konzentrieren uns auf die Vorzugsaktie zu einem aktuellem Kurs von 48,50 EUR. Dem Anteilseigner der Vorzugsaktie steht ein Gewinn je Aktie von 3 EUR der letzten zwölf Monate oder vom letzten Geschäftsjahr zu. Teilen wir jetzt den Kurs von 48,5 EUR durch den Gewinn je Aktie (3 EUR) erhalten wir ein Verhältnis von 16,166, also rund 16,2. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Sixt Vorzugsaktien beträgt damit 16,2.

Formel:                 Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie = Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Beispiel SIXT Vz:      48,5           /              3              =             16,166

Durch diese einfache Division kann man eine Aussage tätigen, wie lang das Unternehmen braucht, um den Kaufkurs durch den Gewinn an den Aktionär wieder zurückzugeben. Der SIXT Vorzugsaktionär müsste bei konstantem Gewinn rund 16 Jahre warten bis sich die Investition dank des Gewinns gelohnt hat.

Wie entsteht daraus die Gewinnrendite?


Was entspricht das für eine Rendite auf den investierten Betrag, kommt als nächste Frage auf. Hierzu muss man eins durch das Kurs-Gewinn-Verhältnis teilen. Am Beispiel SIXT Vorzugsaktien erhält man gegenwärtig eine Gewinnrendite von 6,2 Prozent (1/16,2).

Formel:                 (1 /  Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)) *100 = Gewinnrendite

Beispiel SIXT Vz:      (1           /              16,166)     *100        =             6,2%


Was sind die Vorteile des KGVs?


Das KGV bietet auch eine gute Vergleichbarkeit gegenüber der Bewertung des Gesamtmarktes und / oder gegenüber Konkurrenten. Wichtig ist hierbei, stets Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, also nicht das aktuelle KGV von Unternehmen X  mit einem prognostizierten KGV von Unternehmen Y vergleichen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine sehr transparente Metrik, welche sehr gut zu verstehen ist. Der Unternehmenseigentümer profitiert vom Gewinn des Unternehmens, wie der Immobilienbesitzer von den Mieteinnahmen abzüglich der Kosten. Das KGV spiegelt wider, wie viele Jahre der Eigentümer bei gleich bleibenden Gewinn benötigt, um den investierten Betrag zurück zubekommen oder wievielmal der Investor das gegenwärtigen Nettoergebnis je Aktie für eine Aktie zahlen muss.


Welche Nachteile hat das Kurs-Gewinn-Verhältnis?


Leider kann das Kurs-Gewinn-Verhältnis manchmal eine Schein- Attraktivität des Investments vortäuschen, weil der Gewinn starken Schwankungen unterworfen ist.

Ein Beispiel: Das Unternehmen hat in den letzten 12 Monaten Unternehmensbereiche oder Unternehmensimmobilien veräußert und so einen außerordentlichen Gewinn verbucht. Von diesem einmaligen Gewinn kann der zukünftige Aktionär nur noch durch eine Sonderdividende oder einer guten Bilanzstruktur profitieren. Man sollte den Blick auf das Kerngeschäft des Unternehmens nicht verlieren.

Zum Beispiel können brasilianische Unternehmen mit schlechten operativen Geschäft auch zu einem sehr günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet sein, weil sie durch eine gute Bilanz mit Net Cash hohe Zinserträge erwirtschaften und der hohe Netto- Gewinn nicht vom Kerngeschäft abhängt, sondern von den außergewöhnlichen Rahmenbedingungen. Deshalb sollte man bei jedem interessanten Unternehmen einen Blick in den Geschäftsbericht werfen und nicht nur anhand von günstigen Metriken kaufen. Das KGV gibt keinen Einblick in die finanzielle Stabilität des Unternehmens.

Darüber hinaus sind bei zyklischen Unternehmen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Boom-Phasen besonders niedrig, jedoch kann der hohe Gewinn meistens nicht lang aufrechterhalten werden und das Kurs-Gewinn-Verhältnis normalisiert sich bald wieder.

Welche KGV- Varianten gibt es noch?


Um diese Verzerrungen (wie beispielsweise hohe Zinserträge, einmalige Erlöse oder Zyklushochs) zu normalisieren, lohnt sich ebenso ein Blick auf langfristige Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Die bekanntesten Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind das Graham-KGV und das Shiller-KGV. Diese beiden Varianten beziehen sich auf die Gewinne der letzten 10 Jahre und sind so deutlich weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen.


Graham-KGV:

Formel:                 Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre = Graham- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Beispiel SIXT Vz:      48,5           /              2,11              =             23


Shiller-KGV:

Formel:                 Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre (inflationsbereinigt) = shiller - Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Der Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass Shiller den Gewinn je Aktie noch inflationsbereinigt. Auf diese Tools zur Unternehmensbewertung werden wir noch im Detail eingehen.

Ist ein prognostiziertes KGV nützlich?


Die prognostizierten KGVs basieren auf Gewinnschätzungen von Branchenanalysten, welche in der Regel sehr zyklisch agieren. Die Meinung der Analysten ist in guten Zeiten von Euphorie und in schlechten Zeiten von Pessimismus geprägt. Insgesamt sollte man bei prognostizierten KGVs einen eigenen Plausibilitätscheck durchführen.

Quelle:
www.bloomberg.com/quote/SIX3:GR (abgerufen 9.8.2017)
www.fuw.ch/article/was-das-kgv-dem-anleger-verraet/ (abgerufen 9.8.2017)

Teilen Sie Ihn einfach mit Ihren befreundeten Investoren und/oder Unternehmern!

Kommentare:

  1. Hallo Marcel,

    ich finde, die Berechnung ist noch etwas komplizierter: https://stefansboersenblog.com/2016/07/17/crashkurs-kgv-berechnung/

    Viele Grüße, Stefan

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  2. Hallo Stefan, die theoretische Berechnung sollte nicht im Mittelpunkt des Artikels stehen, sondern vielmehr der Umgang des KGVs in der Praxis. Vor allem wollten wir die Tücken des KGVs aufzeigen und vor der gedankenlosen Verwendung von prognostizieren KGVs für 2017, 2018 usw. warnen.

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